Was ist Neuroplastizität

Die Veränderbarkeit der neuronalen Strukturen und Verbindungen im Gehirn hat in den letzten Jahren für viel Aufsehen gesorgt. Vor allem die Relevanz im Zusammenhang mit Lernen. Lerne ich etwas Neues, so entstehen neue synaptische Verbindungen im Gehirn. Der Begriff Plastizität kommt dabei von dem griechischen Wort "plastos" und kann als "Fähigkeit zur Formveränderung" umschrieben werden. Dieser Eintrag betrachtet das Thema Neuroplastizität anhand eines Experiments.

Neuroplastizität beschreibt die lebenslang existierende Eigenschaft des Nervensystems (und dem Gehirn als Teil des Nervensystems) sich an äußere Umstände, Druck oder Erfahrungen anzupassen. Daher ist es als der ständige, zugrunde liegende Mechanismus für Lernen oder persönliche Weiterentwicklung aufzufassen. Wenn sich etwas in den äußeren Lebensumständen eines Menschen verändert, gehen Forscher davon aus, dass diese Veränderungen auch auf physiologischer Ebene, auf der Verhaltensebene und sogar auf molekularer Ebene nachgewiesen werden können. 

Das Gehirn verändert sich kontinuierlich mit sensorischem Input, motorischen Handlungen, Assoziationen, Belohnungen, etc., wobei viele dieser Veränderungen nicht dauerhaft sind und sich wieder zurückentwickeln. Wenn ich beispielsweise ein Instrument lerne, wie das folgende Experiment zeigt, hat sich nach der Übung mein Gehirn verändert. Je länger ich übe, desto stärker und dauerhafter zeigt sich diese Veränderung. Höre ich jedoch mit dem Üben auf, dann entwickeln sich die jeweiligen Gehirnareale wieder auf den Ausgangszustand zurück.

Der Veränderungsprozess im Gehirn kann in zwei Schritte unterteilt werden. Zunächst werden im ersten Schritt bereits existierende synaptische Verbindungen gestärkt. Durch regelmäßige Stärkung dieser Verbindungen werden anschließend sukzessive neue Verbindungen aufgebaut. Dass heisst je mehr ich etwas mache desto mehr verankere ich es in meinem Hirn. Das gilt für positives aber leider auch für negatives wie Angst oder schlechte Angewohnheiten.

Was aber passierte dabei im Gehirn? Um dieser Frage nachzugehen benutzten die Forscher eine Methode (Transkranielle Magnetstimulation - TMS), durch welche Bereiche im Gehirn gezielt stimuliert oder gehemmt werden können. Vereinfacht dargestellt konnte damit überprüft werden, wie stark die für die Übung relevanten Neuronen im Motorcortex stimuliert werden müssen, um die zugeordneten Muskelgruppen (Finger, Hand) zu aktivieren. Dabei fanden sie heraus, dass sich die notwendige Stimulation für die Aktivierung der Muskelgruppen mit zunehmendem Training verringerte. Außerdem konnten die Forscher feststellen, dass sich das Gehirnareal, welches für die Muskelgruppen zuständig ist (die sogenannte kortikale Repräsentation), 20-30 Minuten nach einer Übungseinheit signifikant vergrößert hatte.

Das beweist dass sich die Strukturen im Gehirn durch regelmäßige Übungen verändern können. Als Einschränkung hierbei muss jedoch berücksichtigt werden, dass in diesem Experiment lediglich der für Bewegungen zuständige Teil des Gehirns untersucht wurde. Rückschlüsse auf die anderen Areale des Gehirns sind daher nicht ohne weiteres möglich.

Was bewiesen ist, ist dass wir unser Gehirn selber mit unsern Gedanken und Handlungen verändern, bzw. trainieren können, dass wir es immer neu programmieren können und auch Themen aus unserm Gehirn löschen können, zum bsp. schlechte Gewohnheiten abtrainieren oder Ängste verschwinden lassen, weiter kann sich unser Gehirn bis ins hohe Alter verändern und anpassen, wir können uns bis zum Tod selber programmieren.  

Damit bekommt der Spruch: "Achte auf deinen Gedanken den sie werden wahr", eine ganz neue Bedeutung.

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